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Ich möchte wieder ein richtiges Auto werden !

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Obwohl ich mich ja hauptsächlich mit alten Motorrollern beschäftige läßt mich die Marke Citroen irgendwie nie in Ruhe. Nach dem DS und der Ente ist jetzt ein in Deutschland weniger populäres Modell an der Reihe: Ein Citroen Ami 6 aus dem Jahr 1968. Gekauft  bei eBay, weil ich wiedermal zu schnell irgendwo geklickt habe...

Schnell wurde ein offener Anhänger besorgt und ins tiefste Münsterland gefahren. Das Häufchen rostiges Elend wurde mit einem Gabelstapler verladen, da es nicht rollfähig war. Beide Bremsen vorne waren festgerostet. Aber sonst schien das Auto komplett, alle Türen, Hauben und Kotflügel waren dabei, sogar in recht gutem Zustand. Üblicherweise rechnet man bei alten Franzosen gerade in diesem Bereich mit erheblichen Rostschäden, die die Bauteile buchstäblich komplett auflösen. Der Vorbesitzer berichtete mir, daß das Fahrzeug in diesem Zustand schon mehrere Besitzer gewechselt hatte.

Zu Hause angekommen wurde der Ami mit 4 Mann einfach vom Hänger runtergeschoben und eingehend untersucht. Gewichtsmäßig hatte dieses Fahrzeug einem wenig entgegenzubringen - dafür aber rostmäßig. Sämtliche Ecken - Kofferraumboden, Tank- und Pedalblech hatten genausoviele Rostlöcher wie eingeschweißte und wieder weggerostete Reparaturflicken. Hinter der Lenkung fand ich außer Laub und Dreck 3 abgeknabberte Maiskolben und diverse zerkaute Holzstücke. Im Kofferraum fand ich unter 10 cm tiefem Laub eine große Schraubensortierkiste, in der sich allerlei Kleinteile befanden. Irgeneiner der Vorbesitzer hatte im Zuge einer Demontage die Teile archiviert und zur späteren Identifizierung mit kleinen beschrifteten - mittlerweile vergilbten Karteikärtchen versehen. Gar keine so schlechte Idee. Vor allem für jemanden, der das Fahrzeug in zerlegtem Zustand erworben hatte *grins* Anhand der Fahrgestellnummer und des auf Deutsch beschrifteten Typenschildes schätze ich, daß es sich um eines von knapp 4500 in Belgien hergestellten Fahrzeugen handelt, welches 1968 für den Deutschen Markt ausgeliefert wurde.

Ich erkenne vieles von der Ente wieder, jedoch scheint alles irgendwie anders. Technisch gesehen könnte man sagen, der Ami ist der Vorgänger der Ente, so wie wir sie kennen, mit dem 28/27 PS Motor der 80er und 90er Jahre, denn diesen Ami-Motor hatte die Ente später bekommen.

Abgeknabberte Maiskolben lassen darauf schließen, daß in diesem Auto etwas größere Tiere beheimatet waren...

Die Zustandsnote des Fahrzeugs besfindet sich außerhalb des messbaren Bereichs

Ab nach Hause...

Fein säuberlich archivierte Kleinteile des Vorbesitzers...

Tun Franzosen gerne: rosten !

da auch...

Die Hütte vom Fahrgestell zu lösen gestaltete sich recht einfach. Die meisten Schrauben hatte ein Vorbesitzer schon gelöst, der Rest war vom Rost weggegammelt. Nur an einer Stelle befand sich ein eingeschweißtes Blech, welches nicht nur an der Hütte, sondern auch direkt mit dem Chassis verschweisst wurde. Unter heftigem Rieseln und knirschen (hat jemand mal nen Besen?) löste sich die Hütte und darunter kam etwas zum Vorschein, was ich nicht erwartet hätte: ein völlig intakter Rahmen. Das Moosgummiband, mit dem die Teile verbunden waren war fast komplett vorhanden und darunter präsentiere sich das Originalblech - teilweise noch mit unbeschädigtem Lack. Mich würde interessieren, wie er im Inneren aussieht....

Dezember 2007. Es geht los. Nach der ersten anfänglichen Ohnmacht über den Erhaltungszustand der Karosse zückte ich doch die Flex und begann die zerfressenen Bleche herauszutrennen. Irgendwann stellte ich fest, daß dabei nicht viel übrig blieb. Fast das gesamte Pedalbodenblech mußte ich nachbilden, inclusive beider Wagenheberaufnahmen, Unterboden, Unterbodenstege, sowie Teile der Schweller.

Pedalbodenblech rechts und links - wie man sieht, sieht man nichts....

ohweioweioweiowei....bremsen wie bei Fred Feuerstein...

Auch der Kofferraumboden wurde vom Rostfraß nicht verschont.

Interessant waren auch die Kommentare meiner Mitmenschen:

“Da kann man noch was draus machen?”

“48 Bonduelle Dosen....”

“Das ist ein Mini-Kombi, nicht wahr?”

“Zm Geburtstag schenke ich Dir ein Kehrblech!”

“Du solltest vielleicht einen Psychologen aufsuchen”

So nach und nach wandert mancher quadratmeter Blech in den Ami...

Jahresende 2007 Die freien Tage habe ich genutzt mich an die Schweissarbeiten zu machen. Vorher habe ich die 11 kg Arco 8 Schweißgasflasche gegen eine 20 kg C18 ersetzt. Nach über 30 Stunden habe ich jetzt etwa 75% des Aufbaus instandgesetzt. Dazu zählten: kompletter Pedalboden, beide Schweller, Unterbodenbleche Fahrgastraum, Stützstreben neben Federtopfausbuchtung, hintere Radläufe, hinterer Rahmenträger, Kofferraumboden, hintere Radkästenfalze...und noch etliche mehr Stellen. Dabe mußte ich mir behutsam jede Stelle einzeln vornehmen. Wenn ich alle faulen Bleche zuerst rausgetrennt hätte, wäre die Hütte in sich zusammengefallen. Jeder normale Mensch hätte das Teil für “unrettbar” gehalten und auf den Schrott gekehrt. Aber normal kann ja jeder*

*mit freundlicher Genehmigung von www.t-backhausen.de

Hinterer Rahmenträger....ääääh... also da, wo er eigentlich sein sollte....

So faul wie die Hütte, so gut erhalten zeigt sich das Fahrgestell. Ich staune immer noch. Seitlich auf der Fahrerseite knapp unter der Lenkung habe ich einen kleinen Schweissflicken entdeckt. Das deutet auf einen kleinen Auffahrunfall auf der linken Seite, auch der linke Frontmaskenträger war etwas verbogen. Aber das ist auch alles. An derselben Stelle ist wohl der Wagen mal zu hart aufgekommen. Die Federanschläge der Vorderachse waren beide verbogen. Am Rahmen zeigt sich daher auf der Oberseite - auf Höhe der linken Motorträgers  eine kleine Falte, trotzdem ist der Rahmen völlig gerade. Ich habe beschlossen in den Rahmen oben ein kleines Fenster unter dem Pedalboden hineinzuschneiden um hineinsehen zu können. Die Öfnung kann man dann später verwenden um literweise Hohlraumkonservierung hineinzuschütten.

Seit einiger Zeit bin ich in der Werkstatt auch nicht mehr allein. Dies ist unser Bouvier-Welpe Sam - Der Werkstatt rumliege-Wachhund. Werkzeug apportieren kann er zwar noch nicht, aber er will immer dabei sein. Vorzugsweise genau da, wo ich gerade irgendwelche Schrauben anziehen möchte... und es scheint ihm vollkommen egal zu sein, daß kiloweise Rost und Staub auf ihn herunterrieselt.

Mehr von Sam...

Hier wache ich !

Im Tank befand sich eine seltsame bröckelige Flüssigkeit - bevor sich hier undefiniertes, feindseliges Leben entwicken konnte habe ich alles mit viel hochkonzentrierter Salzsäure weggespült. Nun ist der Tank innen wieder metallisch blank und kann versiegelt werden. Den Tankgeber kann ich wohl so, wie er ist wegschmeissen.

Federung, Federtöpfe und die 2 hinteren Stoßdämpfer waren noch in ordnung, also habe ich hier nur entrostet und neu lackiert.

Februar 2008 Aufgrund der langen Standzeit hielt ich es für angebracht Bremsanlage und Lenkung komplett zu demontieren. Dabei stieß ich auf die Erkenntnis, daß dieser Ami, bevor er stillgelegt wurde wohl eine ganz ordentliche Pflege genossen hatte. Die Teile der Lenkung waren praktisch verschleißfrei, ebenso Haupt- und Radbremszylinder. Leider hatte der Rost und die hygroskopische Eigenschaft der Bremsflüssigkeit dafür gesorgt, daß die Teile doch nicht mehr zu gebrauchen waren. Die Lenkung versah ich trotzdem mit neuen Kugelbolzen - alles andere wurde gereinigt, neu gefettet und wieder zusammengebaut.

Den Rest der kalten Jahreszeit habe ich genutzt sämtliche Gummileiten der Türen und Kotflügel zu säubern sowie die Armaturenbrettverkleidung und Teile der Inneneinrichtung - sie waren in erstaunlich gutem Zustand. Ebenso wurden die Türgriffe, Fensterrahmen Hecklappenscharniere und alle anderen Aluminiumteile gesäubert und aufpoliert. Echt aufreibende Arbeit, wobei so mancher Feierabend draufging und mir die Hände schmerzten..

Der Teppich war nicht mehr vorhanden, je nach Zustand, den der gehabt hätte vielleicht auch ganz gut. Zufällig fand ich auf dem Sperrmüll einen schönen Rest aus einer Wohnungssanierung.

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