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IWL TR Troll 1

Zustand und Ort des Fundes

November 2006

Der Troll 1 ist die letzte DDR Rollermodell - Entwicklung der VEB Industriewerke Ludwigsfelde. Wie sein Vorgänger, der Berlin besitzt er ein MZ Motor mit 150 ccm und dank Weiterentwicklung nun 9,5 PS. Gebaut wurde er in den Jahren 1963 bis 64. Leider konnte er an den Erfolg des Berlin nicht anknüpfen

Das Äußere erinnert eher an eine Wäschekiste als an einen Roller, aber trotzdem konnte ich ihn nicht einfach da stehen lassen. Ich hätte nicht gedacht, daß ich mal soviel Spott ernten würde beim Kauf eines Oldie-Rollers.

“Im Gegensatz zur Diana oder Bella wird der Troll NICHT schön, wenn Du ihn restaurierst!”

Danke Backi ! Freunde können ja so erfrischend ehrlich sein. “Was ist denn das für ein Geraffel?” Meinte meine Vermieterin. Ein anderer Freund bezweifelte mich überhaupt noch zu kennen, wenn ich mit dem Teil ankomme - und ich müßte mir jetzt einen viereckigen Helm besorgen, damit das Bild wieder stimmt. Ihr seid ja alle sooo gemein !  Einzig meine Freundin fragte mich ganz mitleidig “Muß ich Dir die Sitzbank nähen?”

Die Geschichte dieses Rollers birgt einige Interessante Aspekte: Anfang der sechziger Jahre waren Materialimporte aus dem Kapitalistischen Ausland unbedingt zu vermeiden, daher bemühte man sich um eine rationelle Fertigung indem man viele Gleichteile von MZ Motorrädern nahm und die Verwendung von besonders viel Aluminium. Erstmals wurden bei einem Industrieprodukt Designer beauftragt. Und ich dachte in der DDR waren harte Drogen verboten.

ab nach Hause...

Der Name “TROLL” ist auch geschickt gewählt. Touren Roller Ludwigsfelde 1. Entwicklung. Leider startete der Verkauf recht schleppend. Durch die konsequente übernahme vieler MZ - Motorradspezifischer Teile geriet der Roller zu unhandlich. Außerdem war der Name “Troll” eine Assoziation an eher negativ geartete Figuren aus der Sagenwelt. Besonders in Nordischen Ländern. Der gestiegene Wohlstand und der Wunsch nach einem 4 Rädrigen Untersatz war dann das Ende der Rollerära in der DDR - fast Zeitgleich wie im Westen 1964.

Also meine Gnade hat er gefunden und er wird genauso liebevoll restauriert wie alle meine Roller bisher. Ich hoffe diesmal auf weniger Probleme zu stoßen, da dieser Roller komplett ist, der Motor dreht und Kompression hat. Hoffen kann man ja.

Die erste Überraschug bot dieses Fahrzeug beim Anschließen einer Batterie: Die Elektrik funktionierte talellos. Selbst die Blinker gaben in mehr oder weniger konstatem Intervall die Fahrtrichung an nachdem sie montiert wurden. Es sind genau dieselben hässlichen riesen Plastikdinger, die die Schwalbe hat.

An der Zündung hatte sich wohl jemand mit unkundigen Händen versucht. sämtliche Schräubchen an der Unterbrecherverstellplatte waren kaputt, sie ließen sich nur noch mit einem Körner lösen. Der Unterbrecher hing daneben, die Zündspule fehlte völlig. Schnell waren Neuteile besorgt. Etwas Stirnrunzelnd las ich auf der Packung: “made in Bulgaria” Na gut, auf ins Abenteuer Ost. Etwas Mühe hatte ich beim Einstellen der Zündung. 4 mm vor OT waren schnell ermittelt, doch die hohe Qualität der Bauteile ließ beim bloßen Anziehen der Unterbrecherverstellplatte einen ganzen zusätzlichen Millimeter Vorzündung zu.

Während dieser Aktion bekam ich den nächsten Schlag. Nein, nicht von der Bulgarischen Zündspule... Jemand hatte den Auspuff am Krümmer auf Höhe des Trittbrettes abgetrennt und einen PX 125 Auspuff mit gedreht angeschweißtem Rohr eingesteckt. Der enorme Spalt, der sich durch die Unterschiedlichen Rohrdurchmesser ergibt sorgt sicher für einen kerniges Auspuffgeräusch. Damit das Ganze hält wurden die beiden Teile nur an 2 Stellen geheftet. Trotz allem wagte ich den Tritt auf den Kickstarter. Ich hatte Recht: das Teil machte ein Radau, daß einem die Ohren abfielen. Der Der Spalt zwischen den 2 Auspuffteilen wurde erstmal zugeschweisst. Nun war das Motorengeräusch schon erträglich. Erstaunlicherweise lief der Motor sogar. Zwar zu hochtourig und unrund. Aber er lief. Leider braucht der Motor doch etwas Zuwendung.

Da war aber ein Bastelkönig am Werk: PX 125 Auspuff mit um 90 Grad gedrehem Rohr in den Originalkrümmer gesteckt und an 2 Stellen geheftet. Radau ohne Ende !

Bei Ausgrabungen in einer Troll - Rollersitzbank traf man auf eine noch nicht entdeckte Spezies. Die bröselige, krümelige, bioartige Masse zeichnet sich besonders dadurch aus, daß sie bei Bewegung dichte Staubnebel produziert und heftige Hustenreize hervorruft.

Forscher der NASA sind sich noch nicht einig, ob uns diese Lebensform freundlich oder feindlich gesonnen ist.

Unter einer dicken Schickt Ölschlamm fand ich nach vorsichtigen Abbauen des riesigen Gebläsetunnels: oh Wunder: einen MOTOR !

Beim Zerlegen des Motors kam die nächste Überraschung: die Lagerbuchse des Getriebes bestand nur noch aus Gebrösel. Der Vorgänger ist wohl ohne Getriebeöl gefahren. Darauf ist das Lager heißgelaufen un schlichtweg verbrannt.

Die Dichtfläche des Getriebedeckels habe ich plangefräst und eine neue Lagerbuchse gedreht. Vielleicht ist der Motor noch zu retten.

Mai 2007 Fahrfähig. Innen Neu gemacht - Außen so geblieben (bis auf die Sitzbank) Ich habe es nicht fertig gebracht diesen Roller neu zu lackieren. Er zeigt so wie er ist die (Kampf-) Spuren von über 4 Jahrzehnten.

Bevor sich die alte DDR-Technik es sich anders überlegen konnte beschlossen wir das alte Teil direkt zuzulassen. Und wie schon von der Zulassung der Dürkopp Diana her bekannt zunächst die Erlaubnis zur Vorführung beim TÜV holen. Also auf zum Straßenverkehrsamt. Nach ausgiebiger Erklärung unseres Wunsches wurde erstmal sehr lange nachgeforscht - schließlich teilte uns der Beamte mit Blick eines Kriminalkommissars beim Ertappen eines Schwerverbrechers, daß das Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde. Uns lief der Allerwerteste auf Grundeis, aber nach einigem Nachfragen stellte sich heraus daß es ein mit 50 Kubik motorisierter Krankenfahrstuhl der Marke Meyra, der da gestohlen wurde, dessen Fahrgestellnummer zufällig identisch war. Wahrscheinlich für ein illegales Autobahnrennen einiger Halbwüchsiger, scherzten wir. Schließlich bekamen wir dann das hochoffizielle amtliche Formular für die Vorführung - in Form einer handschriftlich ausgestellte Anweisung auf einem weißen Stück Papier - immerhin mit Stempel.Auf zum TÜV.

Für den Gang zum TÜV empfiehlt es sich eine Menge Zeit mitzubringen, wenn man keinen Termin hat. Ebenso sollte man alles dabei haben, was man an Papier bekommen kann, wo “TROLL” draufsteht Ebenso sollte man vorher anrufen und fragen, ob man eine solche Abnahme dort machen kann, denn es ist nicht überall möglich und es darf auch nicht jeder TÜV Prüfer. Die Erfahrung hat mir gesagt, daß dieser Prüfer genau dann nämlich Urlaub hat...

Nach langem Warten kam ein etwas mürrischer Herr zu uns, nahm das Relikt und die Unterlagen in Augenschein und notierte etwas auf seinem Block. Ich solle das Fahrzeug anwerfen. Der Troll versagte den Dienst. Er sprang an, ging aus, sprang an, ging aus, sprang an... lief! Der Herr kam aus seinem Glaskasten zurück in den er schon verschwunden war und setzte sich auf die Sitzbank. Er legte den Gang ein: Motor aus. Neustart, Gang rein, Motor aus. Das ging dann so etwa fünf mal so! Wir sahen die Zulassung schwinden. Irgendwann hatte der Roller ein einsehen und fuhr mit dem Prüfer eine Runde über den Hof. Der Prüfer stieg ab, deutete mir zu folgen und verschwand wieder in seinem Aquarium. Weitere 15 min später kam er mit einem Kollegen zurück und rätselte an meinem Handbuch rum, was er nun da eintragen könne. Der kopierte Brief war dann eine große Hilfe. Mit einem netten Hinweis, doch mal nach der Zündung zu sehen und meiner Antwort, das man das ohne Probefahrt ja nicht gut könne und diese ohne Zulassung ja schlecht möglich sei, bekam ich den Prüfbericht ausgehändigt.

Als ich nun endlich an der Kasse stand kam ein anderer Herr im blauen Kittel zu mir und sagte, mit strahlenden Augen: ,,Uff sö nem Dröll hobe ich domols mainen Labben gemöcht!“

Der Rest war einfach: Wieder mit dem Berg Papiere zum Amt, Brief ausstellen lassen, Kennzeichen bekommen, fertig.

Die erste Tour war jedoch ähnlich wie die Fahrt des TÜV-Prüfers: angesprungen, 5 km gefahren, 3km nach Hause geschoben. SEUFZ

Nach intesivem Suchen und Probefahren beschloss ich dem Troll einen neuen Kabelbaum zu spendieren und einen  elektronischen Regler. Der alte mechanische hatte seinen Dienst quittiert und zudem dafür gesorgt, daß sich die neue Batterie in einen Sulfatklumpen verwandelt. Also, alles auseinanderbauen, Haube ab. Der alte Kabelbaum war schnell draußen. Beim biegen der Drähte knackte dieser durch wie ein alter Ast. Und staubte genauso. Ok, der is hin. Durch das bißchen Probefahren hatten sich eine Vielzahl an Schrauben gelockert - eine charakteristische Eigenart von MZ - Motoren. Der reinste “Rüttelbock” Alle Schrauben sollte man beherzt festziehen - auch der Haltebügel des Tachos, sonst kann man auf der Fahrt beobachten, wie der buchstäblich im Lampenkasten rotiert. Zudem bekam der Troll eine 6V 12 Ah Bleigel-Batterie aus einem alten Elektrorasenmäher. Diese Akkus sind Problemlos in Fahrzeugen zu verwenden, solange der Ladestrom des Reglers nicht 7,5 Volt übersteigt.

Kaum zu glauben: In diesem Fahrzeug arbeitet ein elektronischer Regler....

...und eine wartungsfreie BleiGel Batterie....

Die tollkühne Testpilotin Sabine P. bei ihrem waghalsigen Ritt auf der Wäschekiste....

Räääängtängtäng... rückwärtige Verkehrsteilnehmer bekommen Tränen in den Augen. Vom Qualm und vor Mitleid....

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