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Restaurations- und Umbaubericht Vespa GS/Cosa 200 FL

oder:

Die eigenartige Kreuzung zwischen:

und

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Für alle entsetzten Gesichter: Ihr habt Recht, GS/3 fahren ist schon was besonderes. Einer GS das Herz einer modernen Cosa einzupflanzen ist ein Projekt für Verrückte. Ich bin so verrückt.

Was mich im besonderen inspiriert hat war die wunderschöne klassische Optik verbunden mit moderner Technik und vor allem: Elektronik. Leider kann man nicht behaupten, daß der originale GS-Motor sonderlich alltagstauglich ist, Da bietet der Cosa-Motor schon einige Vorteile. Außerdem gibt es 4 PS und eine gute Portion Drehmoment mehr, das ist bei der heutigen Verkehrslage durchaus positiv.

technische Daten:

 

Vespa Augsburg GS3

Vespa Cosa 200 FL

Baujahr

1960

1994

Motor

1 Zyl. Zweitakt 150 ccm, 8 PS

1 Zyl. Zweitakt 200 ccm, 12 PS

Zündung

Schwunglichtbatteriezündung, Kontaktgesteuert

Schwunglichtmagnetzündung, Kontaktlos

Vergaser

Dell’ orto UB 23 S1

Dell’orto SI 24.24 H mit Ölpumpe

Bordspannung

6 Volt

12 Volt

Batterie

6 Volt, 6,5 Ah

12 Volt, 9 Ah

Bereifung

3.50 - 10” auf 2.10 - 10” Felgen

100/90 - 10” auf 2.50 - 10” Felgen

und daraus wird:

 

Messerschmitt Vespa GS3 200 FL

(Um) - baujahr

2001

Motor:

1 Zyl. Zweitakt 200 ccm, 12 PS (Cosa)

Zündung:

Schwunglichtmagnetzündung, Kontaktlosgesteuert

Vergaser:

Dell’ orto SI 24.24 E (Mischungsschmierung), Vespa PX

Bordspannung:

12 V

Batterie:

keine

Bereifung:

3.50 - 10” oder 100/90 - 10” auf 2.50 - 10” Felgen

Hier ist er: der komplette Umbaubericht. Für diejenigen, die gleiches oder ähnliches vorhaben, oder für die, die sich alle Haare beim Lesen ausraufen wollen:

0. Vorbereitung:

Abgesehen von Werkzeug, das jeder Vespa-Fahrer sowieso haben muß, sollte man sich folgendes besorgen:

  1. Eine arbeitswillige Flex mit einigen Trenn- und Schruppscheiben
  2. Eine genauso arbeitswillige Bohrmaschine und gute Bohrer in den stärken 4 - 14 mm
  3. 1 und 1,5 mm starke Reparaturbleche (meist billig als 'Abfall' in Metallverarbeitenden Betrieben zu bekommen)
  4. Ein Schweißgerät, am besten mit Schutzgas oder CO2

    5. Jemanden der gut schweißen kann

1. Fahrgestell

Warum Cosa?

Ich bin sicher es hat schon Überlegungen gegeben der GS einen PX-Motor einzupflanzen. Ein sinnvoller Gedanke, denn bei vielen GS/4, Sprints und Rallys hat es schon hervorragend geklappt. Die GS jedoch hat ein ganz anderes Fahrgestell: Sie und alle anderen GS - Modelle mit der Vergaserklappe im Durchstieg haben einen sehr viel breiteren Mittelsteg als bei PX und Konsorten. Hier kommt ein Motor zum Einsatz der eine 280 mm breite Traverse der Triebsatzschwinge hat (GS-Motor eben). Der PX - Motor dagegen hat nur eine 210 mm breite Traverse, es gilt also (280-210) / 2 = 35 mm pro Seite Versatz auszugleichen. Klar: Wer jetzt zu Vierkantstahlprofilen und einem Schweißbrenner greift, der ist auf dem richtigen Weg, aber es gibt noch eine elegantere Lösung: Die Triebsatzschwinge der Cosa mißt nämlich 265 mm in der Breite, d.h. es sind nur noch (280-265) / 2 = 7,5 mm auszugleichen. Ansonsten ist er mit dem PX Motor weitgehend identisch. Trotzdem kommt man jetzt nicht ganz um einen Schweißbrenner herum.

Änderungen am Fahrgestell Damit der Cosa-Motor in das GS-Fahrwerk paßt müssen an diesem einige Veränderungen vorgenommen werden:

i) Die Triebsatzschwinge der GS ist um einiges länger ist als die der Cosa, daher muß der Traversenaufnahmepunkt ca 76 mm weiter nach hinten - Richtung Heck und ca. 5 mm weiter nach unten verlegt werden. (ausprobieren! - kann variieren)
TIP: Aufnahmepunkt so weit wie möglich nach hinten versetzen, umso mehr Platz hat man nachher für die Vergaserwanne.
Damit liegt er an etwa der Stelle bei der er entsprechenderweise auch bei Cosa, PX und Konsorten liegt. An diesen Stellen werden nun provisorisch Löcher gebohrt (auf beiden Seiten möglichst auf gleicher Höhe, um den Geradeauslauf des Rollers nicht zu gefährden). Durch diese Löcher kann zur weiteren Bearbeitung des Fahrgestells mittels einer langen Gewindestange M14 oder M16 der Motor eingehängt werden
.

ii) Wegen der recht engen Lage von Zylinder und Traverse kommt man nur ein kurzes Stück ins Fahrgestell hinein. Wo der Zylinder anschlägt muß etwas Material abgenommen werden. Wieviel kann nur duch Ausprobieren ermittelt werden.
TIP: nach Gefühl Material abnehmen, dann Motor mittig einhängen (so daß die Räder auf einer Linie fluchten). Prüfen, ob der Zylinder am Fahrgestell anschlägt, falls ja, Motor aushängen, die Flex zücken, dann wieder prüfen. Das wiederholt man so lange, bis zwischen Zylinder und Fahrgestell ein ca. 5 mm breiter Spalt bleibt. Es muß noch etwas Platz für die Bleche bleiben, die auf die Lücken geschweißt werden.
Man muß also den Motor ein paarmal ein- und wieder aushängen, um zu sehen, ob genug Platz erreicht wurde - evtl. muß dabei zuerst Punkt iv) vorgenommen werden (s.u.) Später werden dort Bleche aufgeschweißt. Möglichst sowohl von oben, als auch von unten - wegen der Stabilität. Kurz darunter ist nämlich der Motor eingehängt, da zerrt's gewaltig!

eingeschweißte Lagerbüchse

iii) Um den 7,5 mm großen Versatz der Traverse auszugleichen, werden 2 Lagerbüchsen (Distanzstücke) ins Fahrgestell eingeschweißt.

Lagerbüchsen

Gesamtlänge: 18mm, größerer Durchmesser: 26mm, Bund: 3mm dick, kleinerer Durchmesser: 20mm, Innendurchmesser: 14mm. Material: ST 50, oder ST 52 (Muß schweißbar sein). Als Lagerwerkstoff würde sich auch Stahlguß eignen (GS) ist aber nicht so leicht zu bekommen.
Die beiden Löcher im Fahrgestell müssen also auf 20 (bis 22)  mm im Duchmesser ausgebohrt werden. Dann setzt man die Lagerbüchsen ein. Die Gewindestange wird nun eingesetzt und mit 2 Muttern auf beiden Seiten festgezogen. Wenn man die Löcher etwas größer bohrt läßt sich die ganze Triebsatzschwinge vor dem Festziehen der Muttern noch ausrichten.  Nun können die Büchsen mit dem Fahrgestell verschweißt werden. Dies sollte nur ein Profi vornehmen.

Bei geschickter Fügung entfallen weitere Distanzstücke, zwischen den Innenflanken der eingeschweißten Lagerbüchsen ist ein Abstand von genau 265 mm, damit paßt die Traverse der Cosa ohne Versatz hinein. Wichtig: Die 2 Muttern fest anziehen, dann erst die Distanzstücke ans Fahrgestell schweißen! So erreicht man, daß die Traversenschraube beim Motoreinhängen fluchtet.
iv) Die Cosa-Traverse ist in der Mitte dicker und verjüngt sich dann nach außen. In der Mitte stößt sie ans Bodenblech. Hier muß eine Tasche herausgeflext werden, das Blech wird nach oben gebogen und die so entstandenen Spalte mit Reparaturblech (1,5 mm stark) wieder zugeschweißt.

Es wird vielleicht nötig sein stellenweise das Bodenblech mit einem schweren Hammer nach innen zu schlagen, um die endgültige freie Drehbarkeit der Traverse zu erreichen. Es kann auch hilfreich sein den Motor-Aufnahmepunkt so tief wie möglich zu setzen, um etwas Freiheit zwischen Traverse und Bodenblech zu erreichen. Vorsicht! Nicht zu tief, man muß noch mit einem Werkzeug die Traversenschraube anziehen können. Außerdem muß der Traversenschraubenkopf noch außerhalb der nachher monterten Seitenbacken liegen (schön wär's - wer’s genau nimmt kommt um Millimeterarbeit nicht herum).

Blick in die Vergaserklappe

Braten, braten, braten... !

Die Cosa im Hintergrund mußte leider dran glauben!

Erster Standversuch auf eigenem Fahrwerk !

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